Glaub nicht alles, was du denkst

17. Juni 2022

Triggerwarnung: Im heutigen Text spreche ich anfangs über eine Dokumentation, in der es um Gewalt an Minderjährigen ging. Wenn dich dieses Thema zu sehr aufwühlt, überspringe die erste Hälfte und lies nur ab “Lass uns bei deim Punkt Angst stehen bleiben”.

Du kannst dir meine Gedanken auch in diesem Audio anhören oder du liest den folgenden Text:

Es geht los:

Mein Handy piept. Ein Bild eines abfotografierten Fernsehers, das meine Freundin mir geschickt hat. Sie sieht gerade eine Dokumentation und denkt, dass es mich interessieren könnte. Bereits beim Titel werde ich hellhörig: “Sei lieb – Bete und gehorche”. Au weia, denke ich mir, das kann ja heiter werden.
Natürlich schaue ich mir die Doku an und schon in der ersten Minute ist klar: Es geht hier um fundamentalistische Menschen (keine Christen im engeren Sinne, obwohl sie sich als solche bezeichnen), die Auszüge ihrer “Bibel” nutzen, um Gesetzesverstöße, Gewalt und sehr viel schlimmere Dinge zu rechtfertigen, die ich hier nicht nennen werde, um niemanden zu triggern – ganz sicher handeln sie nicht im Sinne Gottes.

Die Doku verstört, ist aber aus psychologisch-soziologischer Sicht auch sehr interessant. Warum entstehen immer wieder Bewegungen, die offensichtlich schädlich sind, von deren Nutzen die Gemeinschaft dort aber überzeugt ist?
Es reicht nicht aus, einen Verrückten an der Spitze einer Bewegung zu haben – ihm müssen genug Menschen folgen, damit er Macht hat und seinen Willen umsetzen kann. Sicherlich kommen dir auch gerade ein paar andere Menschen in den Kopf, auf die das auch zutraf.

Warum geben zigtausende Menschen wider aller Vernunft ihr Leben auf, um es den Doktrinen einer Einzelperson zu unterwerfen? Warum geben Mütter ihre minderjährigen Töchter her, damit sie an ältere Männer verheiratet werden (weiter gehe ich nicht darauf ein)? Muss sich da nicht jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch gegen die Führung auflehnen?

Die Antwort ist vielleicht komplexer als das, was ich mir überlegt habe, und ich kann nur mutmaßen.

Meine Antwort lautet: Angst.

Zu einem Teil kann ich die Mitglieder verstehen: Wenn du in einer von außen abgeschirmten Gesellschaft aufwächst, in der der oberste Chef als “Gottes direkter Vertreter auf Erden” gesehen wird und jeder in deinem Umfeld das absolut glaubt, dann hast du als Kind keinen Grund, dies in Frage zu stellen. Der Anführer ist (für dich) tatsächlich ein Mann Gottes und was er sagt, ist Gottes Wort.
Im Gegensatz zu unserer heutigen Gesellschaft, in der wir hinterfragen dürfen, Zweifel äußern und kritisieren dürfen, sind diese Menschen in einem Umfeld groß geworden, in dem jede kritische Nachfrage eine Sünde ist.

Und Sünden sind – so das Narrativ – dein Weg in die Hölle. “Sei lieb” bedeutet hier: Lehne dich nicht auf, sonst kommst du in die Hölle. Widersprich nicht, sonst kommst du in die Hölle.

Da diese Hölle ewig andauert, überlegt man sich als Mitglied sehr gut, ob man Zweifel zulässt und damit die ewige Verdammnis heraufbeschwört.
Die Mitglieder sind felsenfest davon überzeugt, dass die Erlösung ihrer Seele auf dem Spiel steht, wenn sie auch nur den leisen Verdacht haben, dass das, was vor ihren Augen geschieht, vielleicht nicht richtig ist.
Sie haben unglaubliche Angst, dass sie die Seele ihre Kinder in die Hölle bringen, wenn sie sich dem Willen des (“gottgesandten”) Anführers widersetzen. Diese Angst ist so groß, dass Vernunft und Bauchgefühl ausgeschaltet werden.

Weiter werde ich das Thema nicht vertiefen. Ich weiß, dass es einige Leserinnen hier gibt, die ebenfalls Unvorstellbares unter dem Deckmantel des Christentums erleben mussten und das hier ist nicht der Rahmen, um darüber ausführlich zu sprechen. Es steht wohl außer Frage, dass das Handeln vieler Kirchenmenschen alles andere als von Nächstenliebe geprägt war und ist.

Lass uns beim Punkt “Angst” stehen bleiben.
Angst ist so übermächtig, dass sie uns unfähig macht, unser Leben zu führen.
Angst lähmt uns, schaltet alle möglichen kognitiven Vorgänge aus und gehört zu den unangenehmsten Gefühlen, die wir kennen.

Die meisten von uns vermeiden Situationen, in denen wir Angst haben.

Unangenehme Gefühle gehören aber zum Leben. Wir erleben nur einen Teil des Lebens, wenn wir uns jeden Tag freuen und glücklich sind. Wer ernsthaft ein Leben führen will, in dem er immer nur glücklich ist, wird sich sehr, sehr einschränken müssen, weil er alle Situationen meiden muss, in denen er nicht glücklich ist.

Jack Canfield hat diesen schönen Satz geprägt: “Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst.”

Wir sind in unserem Leben also gefordert, Angst auszuhalten. Sie zu erkennen und im besten Fall ihr die Macht zu nehmen.

Wie das geht?
Durch unsere Gedanken.
Warum haben viele Menschen heute keine Angst mehr vor der Hölle? Weil sie anders darüber denken als die Menschen vor zweihundert Jahren. Manche denken, dass es sie nicht gibt. Andere denken, dass sie dort nicht landen werden. Wieder andere haben andere Meinungen. Je nach dem, wie du über eine Sache denkst, löst es das eine oder das andere Gefühl aus.

Was macht dir Angst, wenn du an Geld denkst?
Für die meisten ist es der Gedanke “Was, wenn es nicht reicht?” oder “Ich habe nicht genug.”

Dieses Mangeldenken löst Beklemmung aus. Der Gedanke, “nicht genug” zu haben, führt zu allen möglichen theoretischen Katastrophen und man fühlt sich, als würde man morgen auf der Straße sitzen oder sterben.

Deine Gedanken bestimmen deine Gefühle und aus deinem Gefühl heraus handelst du. Dein Gefühl erzeugt “Schwingungen”, die gleichartige Schwingungen anziehen. Leid zieht Leid an. Geld zieht Geld an.

Was wäre, wenn immer genug Geld vorhanden wäre?
Was wäre, wenn du schon jetzt ein Leben in Fülle führen würdest?

Sieh dich um.
Du hast Zugang zum Internet.
Vielleicht hast du ein Handy und liest diesen Text in einem sicheren Umfeld.
Du hast höchstwahrscheinlich genug Essen, um nicht Hunger zu leiden.
Ich nehme an, dass du Kleidung trägst (oder wenn nicht, dann hast du vermutlich welche im Schrank 😉 ).

Erkennst du, in welcher Fülle du schon heute lebst?

Kannst du dir vorstellen, dass auch Geld etwas ist, das einfach da ist?
“Aber es ist ja gerade nicht da”, könntest du denken und es kommen dir hundert Einfälle, die das zu belegen scheinen.
Weißt du mit Sicherheit, dass nicht jetzt gerade das Geld auf dem Weg zu dir ist, das du brauchst?

Wenn du den Wunsch nach einem Leben in Fülle hast – wozu auch Geldfülle gehören kann – dann ist es wichtig, sowohl geben als auch empfangen zu können.
Beides.

Und von beidem kann Angst dich abhalten.

Angst wird nur durch deine Gedanken ausgelöst.
Glaub nicht alles, was du denkst 😉

Wenn du Lust auf ein Kennenlerngespräch hast, um herauszufinden, ob ich dir bei deinem speziellen Geld- oder “Fülle”-Problem helfen kann, vereinbare hier ein Gespräch.

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